Kleinaddierer mit automatischem Übertrag

Angesichts der hohen Preise für echte Rechenmaschinen verbreiteten sich im beginnenden 20. Jahrhundert auch einfachere Rechenhilfsmittel. Die so genannten Kolonnenaddierer dienen dazu, bei langen Zahlenreihen zuerst die Einer, dann die Zehner, dann die Hunderter aufzusummieren, manchmal auch zwei Stellen auf einmal - ähnlich, wie man das beim schriftlichen Addieren auch macht. Das angezeigte Ergebnis berücksichtigt automatisch den Übertrag, deshalb sind Kolonnenaddierer im Gegensatz zu den Blechschiebern richtige Rechenmaschinen. Allerdings funktioniert der automatische Übertrag in der Regel nur über eine Stelle hinweg. Frühe Entwürfe waren im Verhältnis zum begrenzten Nutzen meist zu aufwändig konstruiert und konnten sich deshalb nicht durchsetzen. Brauchbarer und weit verbreitet waren die Scheibenaddierer. Eher als Spielzeuge anzusehen sind dagegen Geräte wie die Add-em, bei denen die einzelne Ziffer durch mehrmaligen Tastendruck eingegeben werden muss, also die 9 durch neunmaliges Drücken der Einertaste. Eine sehenswerte Übersicht über frühe mechanische Rechenhilfen findet sich bei History of Computers in der Abteilung Calculating Gadgets.

Expert Adding Machine
J.M. Sailer Co. Janesville
USA
um 1900

Rekonstruktion R.A. 2019
Einscheiben-Addierer ohne Übertragsmechanismus
Die innere Scheibe kann um 0 bis 0 Löcher weitergedreht werden. Das Ergebnis wird zweistellig angezeigt.
Nullstellung mit dem Loch auf dem Mittelteil der inneren Scheibe
Französische Variante: Totalisateur Troncet
The Adder
Charles Henry Webb
New York
ab 1868
Preis 1868: $ 8
SN B451
Zweischeiben-Addierwerk mit mechanischem Übertrag.
Addiert bis zu dreistellige Zahlen.
Stifteingabe (Hunderter links, Zehner und Einer rechts).
Resultate bis: 4999
Funktionsweise Konkurrenzmodell Näheres
Angebotene Ausführungen:
A Grundmodell aus Messing und Mahagoni $ 6
B zusätzlich Befestigungsmöglichkeit, Stahlteile $ 8
C Teilweise verchromt, Befestigung, Stahlteile $ 10


               
Webb Type Adder
Lester C. Smith, New York
ab 1889
Preis 1889: $ 7
Zweischeiben-Addierwerk mit mechanischem Übertrag.
Addiert bis zu dreistellige Zahlen.
Stifteingabe (Hunderter links, Zehner und Einer rechts).
Resultate bis: 4999
Funktionsweise
Beschreibung
Perfection Adding Machine
Archibald M. Stephenson
Joliet, Illinois
ab 1873,
Preis 1890: $1,50
Scheckkartengroßer und -dicker "Taschenrechner".
Zweischeiben-Addierwerk mit mechanischem Übertrag
rechts 0-9 Einer, links 0-19 Zehner, Resultate bis 199
Stifteingabe
Rückwärtsdrehen (Subtraktion) nicht möglich.
Rückstellung durch manuelles Vorwärtsdrehen auf 0.
Innenleben  Näheres
Fraction of an inch adding machine
B.K. Elliot Co.
Pittsburg, USA
Addition von  Zollbruchteilen (Halbe, Viertel, Achtel, Sechzehntel, Zweiunddreißigstel, Vierundsechzigstel)
Umwandlung in einen Dezimalbruch.
Betätigung mittels Stift
Nullstellung mittels Lasche und Markierung
Kein "Einerübertrag"
Adix
Adix Company
Pallweber & Bordt
Mannheim

Preis 1903: 18 RM
Kolonnenaddierer mit dreistelliger Resultatanzeige
Zehnerübertrag über Zahnradgetriebe. Löschen der Einer und Zehner durch Drehen des rechten Zahnrads bei gedrückter 1. Löschen der Hunderter durch Drehen des linken Zahnrads.
Funktion 
Entwicklung
Pallweber & Bordt 
 
Aderes
Hersteller unbekannt
Preis 1953: 40 DM
Animation
Gebrauchsanweisung
Weiterentwicklung der Adix im Bakelitgehäuse. Kolonnenaddierer mit dreistelliger Resultatanzeige
Zehnerübertrag über Zahnradgetriebe
Hebel für Nullstellung aller drei Stellen.

 
Union Rechenscheibe
Dr. Albert Hauff Berlin
Berlin ab 1907
Preis: 9 Mark
Gebrauchsanweisung
Scheibenaddierer, "vieltausendfach bewährt" zur Addition zweistelliger Zahlen. Ein Einstellstift wird jeweils bei einer Zahl der äußeren silbernen Skala eingesteckt und dann zum Anschlag bewegt. Auf der inneren Skala (weiß auf braun) kann dann das Ergebnis abgelesen werden. Die Hunderterstelle ergibt sich aus der Position eines Stifts, der sich dabei auf einer Spirale von innen nach außen bewegt. Fast identische Geräte wurden in Großbritannien unter der Marke "Adall" vertrieben.
Verwandte Konstruktionen  Amerikanische Variante
Additioneur
Joseph Funke 1915

Nachbau
Wolf-G. Blümich
Animation
Additionsgerät mit vollautomatischem Übertrag.
Zwei Drehscheiben mit unterschiedlich versetzter Lochung
Zahleneingabe (einstellige Werte) mit Stift
Resultat im Zahlenbereich bis 300
Funktionsweise 
Penn State Adder
No.707
Hong Kong
 
Zählgerät, z.B. für Ausgaben im Supermarkt
Eingabe über mehrfaches Drücken der Tasten
automatischer Zehnerübertrag
Nullstellung über Drehknöpfe
Profiausgabe

 

Fallzähler
Frankreich
1973
SN 6366
Das Gerät diente zur Diagnose von Krankheiten mittels Auszählen verschiedener Blutzellenarten  unter dem Mikroskop .
Ähnlich: Marbel Blood Cell Calculator
Es kann auch für andere Statistiken eingesetzt werden, etwa um an einer Kreuzung die passierenden PKW, LKW, Motorräder, Traktoren und deren Summe zu ermitteln.
Das Zählwerk ohne Taste (3. v. l.) gibt die Summe der Tastendrücke auf die Tasten 1 - 5 an. Mit dem  Drehknopf können die Zählwerke gelöscht werden.

Im Jahre 1642 stellte der französische Mathematiker und Philosophen Blaise Pascal eine Addiermaschine vor, die in der Folgezeit in etwa 50 Exemplaren gebaut wurde, von denen heute noch 9 erhalten sind. Ihr komplizierter Zahnradmechanismus für den automatischen Übertrag funktionierte bereits über mehrere Stellen hinweg, (9999+1=10000) jedoch waren die Einstellscheiben nur in einer Richtung drehbar. Subtraktionsaufgaben ließen sich nur durch Addition von Komplementärzahlen bewältigen. Zwanzig Jahre vor Pascal hatte der Theologieprofessor Wilhelm Schickard eine "Rechenuhr" konstruiert, bei der man auch durch Rückwärtsdrehen der Einstellräder subtrahieren konnte. Die Maschine von Schickard ging jedoch verloren und wurde nur in Form einer Konstruktionsskizze überliefert. Ihre Ideen finden sich im frühen 20. Jahrhundert in preiswerten stiftbedienbaren "Rechenlinealen" wieder, die vor allem in den USA verbreitet waren. Europäsche Geräte dieses Typs waren aufwendiger konstruiert und gemäß ihres Preisniveaus eher fürs Büro bestmmt. 

The Calcumeter
(urspr. The Standard Desk-Calcumeter)
H.N. Morse, Trenton N.J.
ab 1901
SN 31503
Preis: ab 10$
 
Addition, 7 Stellen, sehr leichtgängig.
Löschung erleichtert durch kleine Nullmarkierung auf jeder Einstellscheibe.
Es existierten Modelle von 5 bis 9 Stellen teilweise mit separatem Löschrad. Daneben gab es auch ein Modell für englische Währung.
Innenansicht
The Calculator
The Calculator Corp.
Grand Rapids ab 1907
Preis: 7,50 $
Addition 7 Stellen
Eingabe mit Stift 
Subtraktion über Zehnerkomplement
Übertrag nur vorwärts
Rechnerlexikon Detlev Bölter
Firmengeschichte
Conto Modell C
Carl Landolt & Co
Thalwil bei Zürich
ab 1912
SN 1439
Preis 1920: 250 SFr
Addition, 8 Stellen
Eingabe mit Fingern über leicht gängige Hebel
Der Inhalt des Eingaberegisters (untere Schaulöcher) wird über den kleinen Schieber am oberen Rand ins Resultatregister (obere Schaulöcher) übertragen
Resultatregister löschbar über den kleinen Hebel.
Große Abbildung und Modell A
 
Addier-Maschine "Baum"
Michel Baum, München
(Daemen-Schmidt, Zürich)
ab 1913
SN 490
Preis: 75 Mark
Anleitung
Addition 7 Stellen
Eingabe mit Stift
Subtraktion über Zehnerkomplement (Overlay)
Eingabekontrollregister, löschbar durch Knopfdruck,
Gesamtlöschung über Schieber
Innenleben 
Lightning Portable
Adding Machine

The Lightning Adding Machine Co., Inc.
Los Angeles ab 1945
Preis: 10 $

Addition 7 Stellen
Eingabe mit Stift 
Subtraktion über Zehnerkomplement
Übertrag nur vorwärts
Schieber für Löschung
Innenleben
Rechnerlexikon
Firmengeschichte
Addometer
Reliable Typewriter
& Adding Machine Co
Chicago, ab 1928
oben: dezimal
unten: Zoll-Ausführung
Addition, Subtraktion
8 Stellen dezimal oder alternativ 6 Stellen dezimal + eine Stelle für Zoll (12er-Teilung) + eine Stelle für Achtelzoll
Eingabe mit Stift, Schieber für Löschung
Übertrag vor- und rückwärts
Innenleben
 
Dial-A-Matic
Sterling
USA
1957
Scheibenaddierer
Addition und Subtraktion 4 Stellen
Übertrag vor- und rückwärts
Eingabe mit Stift
SEE Calculator
Selective Educational Equipment
USA
1968
Voll funktionsfähiges Demonstrationsmodell
der "Dial-A-Matic" in transparentem Gehäuse
Addition und Subtraktion 4 Stellen
Übertrag vor- und rückwärts
Eingabe mit Stift
Größere Abbildung
KES-ADD
Pocket Adder
Hart-Vance Company
USA,
ca. 1960
$ 1,98 $
Addition und Subtraktion 6 Stellen
Eingabe mit Stift
Übertrag vor- und rückwärts
Eingabe mit Stift

Zu den Rechenlinealen, bei denen die Zahnscheiben liegend nebeneinander angeordnet waren, kamen im frühen 20. Jahrundert Varianten mit automatischem Übertrag hinzu, bei denen die Zahnrollen vertikal auf einer einzigen Achse saßen. Der Übertrag wurde nach Art eines Zählwerks realisiert und die einzelnen Stellen einer Zahl konnten ohne großen Zwischenraum nebeneinander angezeigt werden. Die Eingabe erfolgte auch bei diesem Rechnertyp oft mit einem Stift und wurde über eine Kette, ein Band oder eine Zahnstange in des Addierwerk übertragen. Später gab es auch größere, mit Fingern bedienbare Additionsgeräte, die in Einzelfällen sogar mit einem Drucker versehen waren.

Eine Additionsmaschine mit kontinuierlichem Übertrag über Planetengetriebe realisierte der russische Mathematiker Tschebyschow (1821-1894) in seinem Arithmometer.

Bassett Adder
Modell 3
J.H. Bassett & Company
Chicago, USA
1918
Addition 8 Stellen mit Endlos-Lochbändern, die um einen Holzrahmen herumlaufen.
Übertragswarnung: Frühe Versionen (ab 1913) besaßen nur einen schwarzen Balken über der Ziffer, jenseits der ein Übertrag zu berücksichtigen war. Beim abgebildeten Modell 3 erscheint ein rotes Signal, wenn an einer Stelle ein Übertrag entsteht. Dieser muss durch Addition von 1 in der nächsthöherenen Stelle berücksichtigt werden.
Golden Gem
Automatic Adding Machine Co. New York
ab 1907
SN 84313
Preis 1925: $15
Addition, 7 Stellen
Bedienung mit Stift
Ketten bewegen vertikal angeordnete Zahnräder
Drehknopf für Resultatlöschung
Vergleichbare Maschine für den Eigenbau
BriCal
British Calculators Ltd.
Stoke Newington, UK
um 1905
SN B 802
Preis 1925: 4£
4s 4d

 
Addierer für britische Währung
Pfund 50..1950 und 0..50, Schilling 0..19, Pence 0..11½
Bedienung mit Elfenbeinstift
Nullstellung durch Ziehen einer rot markierten Sprosse jedes Kranzes bis zum Anschlag.
Es existierten auch dezimale Ausführungen.
Innenleben 
Andere "Pfundrechner"
Modellübersicht bei Retrocalculators
Hans Sabielnys
Comptator
Schubert & Salzer,
Dresden
ab 1909
SN 2079
Preis 1925: 105 RM
Anleitung
 
Addition, 9 Stellen
Subtraktion über Zehnerkomplement
Bedienung mit Stift
Zahnstangen bewegen Zählwerk
Hebel für Eingabelöschung, arretierbar
Drehknopf für Resultatlöschung
Schnittzeichnung
SuN
Seidel&Naumann
Dresden
ab 1910
SN 369
Gebrauchanweisung 
Addition, 9 Stellen
Subtraktion über Zehnerkomplement
Bedienung mit Stift
Ketten bewegen Zählwerk
Hebel für Resultatlöschung
Knopf mit Feststeller für Eingabelöschung
 
Scribola
Ruthardt & Co
Stuttgart
ab 1922
SN 5391
Preis 1925: 250 RM
Anleitung
Addition, 10 Stellen
Subtraktion über Zehnerkomplement
Ketten bewegen Zählwerk und Druckwerk
Hebel für Druck, Resultatlöschung und Auskoppeln des Resultatwerks. Resultat muss zum Drucken manuell in Eingabe rückübertragen werden.
Stima M-II
Albert Steinmann
Schweiz
ab 1930
SN 11776
Preis 1938: ab 70 SFR
Stima MS-III
ca. 1953
SN 29398
Gebrauchsanweisung
 
Stima M-II: Addition, 8 Stellen Bedienung mit Stift
Subtraktion über Zehnerkomplement
Getrenntes Eingabe- und Resultatwerk
Drucktasten für Eingabelöschung, arretierbar
Resultatlöschung durch Zugknopf
Innenansicht 

Stima MS-III 9 Stellen
Subtraktion ohne Zehnerkomplement über zweistufige Eingabe bei Entkopplung des Resultatwerks
Schnellrechner
(auch Swift Handy Calculator oder Addipresto)
Hongkong 1960-1975

Nachbau der der Adietta
Sergio Lanza
Italien 1953
Addition
Subtraktion über aufgedruckte Neunerkomplementziffern
7-stellig
Eingabe mit Stift über Zahnräder
Resultatlöschung mit Federantrieb
   

Rechenwerkzeug.de